Gottes Gerechtigkeit sieht das ganze Herz - Kindergottesdienst in Sömmerda

Zu einer für einen Sonntagsgottesdienst eher ungewöhnlichen Zeit versammelten sich am 25. Oktober 2026 Kinder und Erwachsene in der neuapostolischen Kirche in Sömmerda. Um 15 Uhr begann der gemeinsame Kindergottesdienst. Für einige Gäste war es zugleich der erste Besuch in der Gemeinde Sömmerda.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg aus Matthäus 20,1–16.
Die Predigt hielt Bezirksvorstehervertreter Carsten Schneider.
Von Beginn an bezog er die Kinder mit ihren Gedanken und Erfahrungen ein. Gemeinsam gingen sie den Fragen nach: Was ist eigentlich gerecht? Und wie ist Gott gerecht?

Jesus erzählt in dem Gleichnis von einem Weinbergbesitzer, der zu unterschiedlichen Tageszeiten Arbeiter für seinen Weinberg anwirbt: früh am Morgen, später am Vormittag, zur Mittagszeit, am Nachmittag und sogar noch kurz vor Feierabend. Obwohl die Arbeiter unterschiedlich lange gearbeitet haben, erhalten am Ende alle den gleichen Lohn. Was zunächst ungerecht erscheint, weist auf eine andere, göttliche Sichtweise hin: Bei Gott gelten nicht allein menschliche Maßstäbe und unser Denken in Leistung und Gegenleistung. Seine Zuwendung ist Geschenk. Sie gilt allen Menschen.

Predigt erlebbar gemacht

Damit die Kinder das Gleichnis unmittelbar erleben konnten, wurde der Weinberg während der Predigt in den Kirchenraum geholt.
Unter der Leitung von Antje Nitsch aus Sömmerda und Susanne Engelke aus Jena kamen nach und nach fünf Kinder nach vorn und stellten die Arbeiter dar, die zu verschiedenen Zeiten ihre Arbeit begannen.
Mit Kniebeugen wurde die anstrengende Arbeit bei der Weinlese veranschaulicht. Andere Kinder zählten aufmerksam die erbrachte „Arbeitsleistung“.
Am Ende erhielten dennoch alle Arbeiter den gleichen Lohn. So wurde die zentrale Frage des Gleichnisses ganz konkret: Ist das wirklich gerecht?

In der anschließenden Betrachtung wurde deutlich, dass Gott mehr sieht als das, was für Menschen auf den ersten Blick erkennbar ist.
Der zuletzt angeworbene Arbeiter hatte zwar nur kurze Zeit im Weinberg gearbeitet.
Zuvor hatte er jedoch beinahe den ganzen Tag gewartet, ohne zu wissen, ob er noch Arbeit finden und seine Familie ernähren könnte.
Gott sieht auch dieses Warten, Hoffen und Aushalten.

Der gleiche Lohn ist doch gerecht

Eine Antwort aus dem Kreis der Kinder brachte den Gedanken auf den Punkt: Der gleiche Lohn sei gerecht, weil auch der zuletzt gekommene Arbeiter seine Familie ernähren müsse.
Gottes Gerechtigkeit fragt demnach nicht nur danach, wer am meisten geleistet hat. Sie nimmt den ganzen Menschen, seine Geschichte und das oft Unsichtbare wahr.

Gottes Liebe und seine Gemeinschaft stehen allen offen

Das Gleichnis wurde zugleich zu einem Bild für das Reich Gottes.
Manche Menschen lernen Jesus Christus bereits als Kinder kennen, andere finden erst spät im Leben zu ihm.
Doch Gottes Liebe und seine Gemeinschaft stehen allen offen. Niemand erhält weniger, weil der Weg zu Gott später begonnen hat.
Und niemand muss sich Gottes Liebe durch eine besonders große Leistung verdienen. Gerade darin zeigt sich Gottes Güte und Gnade.

Umrahmung des Gottesdienstes

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst vom Kinderchor unter der Leitung von Dayna Beck aus Oberwillingen als Dirigentin, sowie Matthias Nitsch aus Sömmerda an der Orgel und Katrin Schmidt aus Mühlhausen am Klavier.
Bereits das Eingangslied „Ein Gärtner geht in Garten“ griff das Bild des Weinbergs auf.
Außerdem erklangen unter anderem „Aus Gottes guten Händen“ sowie das wohlklingende und inzwischen liebgewonnene Lied „Gott sieht das Herz an“ von Ralf Meier.
Passend zur Predigt erinnerte dieses Lied daran, dass Menschen häufig nur das Äußere wahrnehmen, Gott hingegen das Herz und damit den ganzen Menschen sieht.

So blieb am Ende eine ermutigende Botschaft: Gottes Gerechtigkeit ist größer als unser menschliches Leistungsdenken.
Gott sieht, was wir tun. Er sieht aber auch unser Warten, unsere Hoffnung und das, was anderen verborgen bleibt.
Seine Liebe gilt nicht nur einigen wenigen, sondern jedem Menschen, der zu ihm kommt.

Nach dem Gottesdienst war der gemeinsame Nachmittag noch lange nicht zu Ende: Bei Kaffee, Kuchen und kleinen Leckereien blieb Zeit für Begegnungen und Gespräche sowie ein buntes Programm mit Basteln, Malen und einem Tischtennistunnel.
Ein herzliches Dankeschön gilt der Gemeinde Sömmerda für die große Gastfreundschaft, die liebevolle Vor- und Nachbereitung und all die vielen kleinen und großen Dinge, die dazu beigetragen haben, dass sich Kinder und Erwachsene an diesem Nachmittag rundum wohlfühlen konnten.